(16.3.2019) Einladung LEK Jahreshauptversammlung

Pressemeldung der Landeselternkonferenz(LEK): Schlechteste PISA-Ergebnisse mit Ansage: Ministerin Feller setzt trotzdem auf ein „Weiter so“

Deutschland hat in der aktuellen PISA-Studie die schlechtesten Ergebnisse seit Beginn der Erhebung erzielt. Die Reaktion von Schulministerin Dorothee Feller lautet dennoch: Wir müssen unseren Weg
konsequent weitergehen.

Seit über zehn Jahren hören Eltern und Schüler von Ministerinnen und Ministern, dass die Ergebnisse der Bildungsstudien ernst genommen werden, dass Maßnahmen auf den Weg gebracht wurden und
dass dieser Weg nun konsequent weitergegangen werden müsse. Zugleich wird darauf verwiesen, dass sich die Wirkung solcher Maßnahmen erst in etlichen Jahren zeigen werde. Doch die Ergebnisse kennen seit Jahren nur noch eine Richtung: nach unten. Warum sollen Eltern also den immer gleichen Ankündigungen unserer Ministerinnen und Minister noch glauben?

Für die Landeselternkonferenz NRW ist das kein überzeugender Kurswechsel, sondern ein Festhalten am bisherigen System. „Wer die Entwicklung der Basiskompetenzen betrachtet, erkennt seit über 10
Jahren nur noch einen Abwärtstrend. Darauf mit einem ‚Weiter so‘ zu reagieren, wird diesen Abwärtstrend nicht stoppen“, so Hinrich Pich von der Landeselternkonferenz NRW.

Die Bildungsexpertin Silke Müller brachte es in der Tagesschau auf den Punkt: „Ich spreche da gerne von Ruinenverwaltung.“ Sie verweist damit darauf, dass unser Schulsystem über 150 Jahre gewachsen
ist und lange funktioniert hat, den heutigen gesellschaftlichen Veränderungen aber nicht mehr gerecht wird.

Notwendig ist deshalb eine grundlegende Neuausrichtung unseres Bildungssystems. Silke Müller fordert dafür einen verbindlichen Rahmen, der über einzelne Wahlperioden hinaus Bestand hat:

Ein Bildungsstaatsvertrag!

Bildung darf nicht länger vom Wechsel politischer Mehrheiten und Legislaturperioden abhängen. Mehr Geld allein reicht nicht aus, wie die PISA-Ergebnisse deutlich zeigen. Bildungspolitik braucht
Verlässlichkeit, gemeinsame Ziele und eine langfristige Verantwortung, die nicht parteipolitisch geprägt ist.

Ein Bildungsstaatsvertrag könnte genau dafür sorgen: Er müsste langfristig ausreichende finanzielle Mittel für Bildung in ganz Deutschland sichern und zugleich verbindlich festlegen, auf welche Bildungsziele Kinder und Jugendliche Anspruch haben.

Wir machen noch immer den Fehler, Bildung vor allem vom Schulprozess her zu denken. Entscheidend ist aber die Perspektive des Kindes: Was braucht ein Kind, um Kompetenzen zu erwerben? Und was ist dabei besonders wichtig?

Kinder lernen unterschiedlich schnell. Diese Zeit müssen wir ihnen geben.

Bereits Professor Harald Lesch hat darauf hingewiesen, dass Menschen immer älter werden, während Kindern immer weniger Zeit zum Lernen zugestanden wird. Kinder brauchen jedoch die Zeit, die sie
benötigen – mal schneller, mal langsamer.

Gleichzeitig müssen wir Kindern mehr Vertrauen entgegenbringen. Professor John Hattie aus Neuseeland, auf den sich auch deutsche Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker häufig berufen, zeigt: Kinder lernen besser, wenn Erwachsene ihnen zutrauen, dass sie den Stoff bewältigen, auch wenn sie dafür unterschiedlich viel Zeit brauchen.

Forderung

Die Landeselternkonferenz NRW fordert deshalb endlich einen Bildungsgipfel, an dem alle Beteiligten auf Augenhöhe mitwirken. Dort kann ein Bildungsstaatsvertrag ausgearbeitet werden, der ein modernes, verlässliches und kindgerechtes Bildungssystem ermöglicht. Das bisherige System stößt erkennbar an seine Grenzen.

Wir brauchen jetzt den Mut, zügig neue Strukturen aufzubauen – im Interesse der Kinder, der Schulen und der Zukunft unseres Landes. Jetzt sind alle gefordert vom Krisenmodus zum Bildungsneustart zu
wechseln: Kinder brauchen Zeit, Vertrauen und klare Ziele!